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Michelle Schmidt – Ein Nachruf von Alexandra Wilke

Es gibt Menschen, die betreten einen Raum – und plötzlich ist mehr Leben darin. Michelle Schmidt war so ein Mensch. Näher kennengelernt habe ich sie in der ‚Agentenzentrale‘ in Brandenburg. Michelle arbeitete dort gerade im Service, und schon bei diesem ersten längeren Gespräch stellten wir fest, dass wir beide eine ähnliche Energie in uns trugen. Eine Energie, die unser Umfeld manchmal überforderte und zu Missverständnissen führte. Wir lachten viel darüber. In der Regel war uns das herzlich egal.

Detlef lernte Michelle beim ‚Tanz in den Mai‘ kennen. Schon im Gehen begriffen, sagte er zu ihr: „Wäre ich 20 Jahre jünger, würde ich mich glatt in dich verlieben.“ Die beiden wurden ein Paar, lachten viel miteinander, hörten hin und wieder gemeinsam auf zu rauchen, schnitten sich die Haare kurz und zogen zusammen. Auch wenn das Leben später für beide anderes vorsah, blieb das, was sie miteinander aufgebaut hatten, etwas Wertvolles.

Als die Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg das Balkontheater ins Leben rufen wollte, ahnten wir noch nicht, wohin uns diese Reise führen würde. Michelle fragte mich: „Alex, hast du Lust, Balkontheater zu machen?“ Ich antwortete: „Keine Ahnung, wie das geht. Aber das finden wir schon heraus.“ Damit entstand etwas, das uns alle verändern sollte.

Zwischen unzähligen Sprachnachrichten erzählten wir uns Geschichten aus unserem Leben, sammelten Erinnerungen aus den Wohngebieten, entwickelten Figuren und Szenen.

Eigentlich haben wir uns über unsere gemeinsame Arbeit erst richtig kennengelernt. Dann kamen die ersten Proben. Glühende Sommerhitze. Viel Improvisation. Wir wollten nie Theater machen, das überfordert. Wir wollten Menschen begegnen, Geschichten erzählen und gemeinsam mit ihnen Freude erleben.

Irgendwann merkten wir: Wir brauchen noch jemanden, der mit Liebe und klarem Blick von außen auf uns schaut. Also kam Detlef als ‘‚Schattendramaturg‘ dazu. Damit war unser Trio komplett. Detlef recherchierte, ich schrieb die Stücke und Michelle spielte sie – gemeinsam mit uns, ihren Kindern und Freunden – mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Und wenn der Abend noch etwas brauchte, sagte sie ganz trocken: „Dann sing doch noch ein paar von deinen Liedern.“

Die Wohnungsbaugenossenschaft glaubte an uns. Sie förderte unsere Arbeit, machte sogar eine Schallplatte mit uns möglich. Für Michelle schrieb ich später „Havellulja“. Und spätestens da konnte wirklich niemand mehr behaupten, sie könne nicht singen. Mit Michelle arbeitete es sich leicht. Wenn ich an unsere gemeinsamen Projekte dachte, kam ich ins Schreiben. Es war, als würde vieles einfach fließen. Sie passte zu klugen, warmherzigen Menschen, weil sie selbst einer war. Sie machte jeden Unsinn mit, spielte mit ganzem Herzen und war eine verlässliche, professionelle Kollegin.

Vieles blieb zwischen uns unausgesprochen. Vielleicht auch, weil wir beide lieber stark sein wollten, als unsere Unsicherheiten zu zeigen. Gerade deshalb verstanden wir uns oft ohne viele Worte.

Ganz in ihrem Sinne werden Detlef und ich weitermachen. Wir werden weiter Geschichten erzählen. Weiter auf Balkonen spielen, weiter singen, und jedes Mal wird Michelle ein Stück weit mit auf der Bühne stehen.

2026 wird es in Brandenburg an der Havel kein BalkonTheater geben. Wir nehmen Abschied in diesem Jahr und sammeln Kraft für neue Ideen.

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